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Soweit fürs Erste

Kurt Hofmann

Ein Ausblick auf Eva Sangiorgis Überlegungen zur Viennale

27.08.2018

Programmdetails? Eine Gesamtsicht der Viennale 2018 (25.10-8.11.2018)? Derlei zu diskutieren, scheint erst nach der Hauptpressekonferenz sinnvoll. Die Sommerpressekonferenz und erste Interviews der neuen Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi lieferten jedoch einen ersten Ausblick auf deren Überlegungen.

Sommerpressekonferenz:

Die Vorschau (eine Auswahl der für 2018 geplanten Filme) zeigt, dass die neue Direktorin offenbar (in gutem Sinne) auf Kontinuität setzt, ohne dabei eigene Akzente zu vernachlässigen. Einige Schwerpunkte: die Tributes sind heuer Roberto Minervini, Jorge Acha und Jean-François Stévenin zugeeignet. Die Retro des Filmmuseums ist dem „B-Film“ der Jahre 1935-1959 gewidmet, jene des Filmarchivs jüdischen Lebenswelten im Stummfilm.

Die Fragen:

Und immer wieder jene nach den Deutschkenntnissen der neuen Direktorin. Ganz so, als würden Wohl und Wehe des Festivals davon abhängen. Die Verständigung in Englisch, der internationalen Festivalsprache, klappte jedenfalls ausgezeichnet, aber offenbar bestimmen die schwarz-blauen Drohgebärden in Sachen unmittelbaren Spracherwerb auch hier den Diskurs… Ob’s aber in Österreich genügt, den Nachweis der deutschen Sprache erbracht zu haben? Ein Interview im ORF, welches (der TV-Kulturchef) Martin Traxl jüngst mit dem Schauspieler Samuel Finzi anlässlich der Premiere des Stückes „Kommt ein Pferd an die Bar“ führte, lässt daran zweifeln. Der Schauspieler, gebürtiger Bulgare, lebt seit nahezu drei Jahrzehnten in Deutschland, spielt am „Deutschen Theater“ in Berlin zentrale Rollen und ist auch durch zahlreiche Film- und TV-Rollen bekannt. Kein Grund für Traxl, Finzi mehrfach zu dessen hervorragender Leistung, als „Bulgare“ einen mehrstündigen Theaterabend in deutscher Sprache zu bewältigen, zu gratulieren

Oder auch jene nach der bisher angeblich fehlenden und nun dringend notwendig seienden Präsenz österreichischer Filme im Viennale-Programm. Da wies Eva Sangiorgi, die das Festival nicht erst seit ihrer Direktions-Übernahme kennt, zu Recht darauf hin, dass auch unter ihrem Vorgänger Hans Hurch der Österreichische Film stets seinen Platz im Rahmen der Viennale hatte und - nach den Maßgaben eines internationalen Festivals - auch unter ihrer Leitung die entsprechende Berücksichtigung finden werde. 

Neu war in dieser Hinsicht allenfalls die Betonung der Wertschätzung für Michael Haneke, freilich, die Änderung von einer gegenseitigen Abneigung (in Sachen Hurch-Haneke und vice versa) zu einer Hinwendung wird nichts daran ändern, dass Haneke-Premieren (aus dessen Sicht verständlicherweise) wohl nach wie vor in Cannes stattfinden werden… Manchen kann die Viennale jedoch nicht rot-weiss-rot genug sein: Wie hieß doch gleich dieses Festival, welches jedes Jahr im März in Graz stattfindet… ?

Sowie, besonders originell, die Frage an Eva Sangiorgi, was sie denn dazu meine, dass derzeit einige ItalienerInnen internationale Festivals leiten…

Die Pläne:

Dass es neben den Retros und den Kurzfilmen künftig nur noch eine Hauptsektion geben soll, die nicht zwischen Spielfilm und Dokumentarfilm unterscheidet: darauf hat die neue Direktorin schon in ihren ersten Statements Wert gelegt. Eine Begründung findet sich hier in der Beobachtung, dass immer mehr Dokumentarfilme Spielfilm-Elemente aufnehmen (und umgekehrt). Ein anderes Argument, die Aufwertung der Dok-Film-Sektion innerhalb der Viennale durch eine „Fusion“, würde allerdings ins Leere führen, da die Auslastung der Dokumentarfilme schon bisher nahezu an jene der Spielfilme herankam: eine Folge von Programm-Konsequenz und (anschließender) Publikums-Akzeptanz. Fraglich auch, ob nun dem/der „durchschnittlichen“ Viennale-BesucherIn nicht ungewollt eine Barriere bei der Lektüre des Viennale-Katalogs aufgebaut wird…

Und wenn ab heuer das österreichische Filmmuseum über die (alljährliche) Retro hinaus als Spielstätte der Viennale fungieren soll, so ist dies eine überzeugende Idee, vorhandenes Potential umfassender zu nutzen - ein besserer Viennale-Spielort ist ja ohnedies kaum vorstellbar.

Der schon bisher hohe Anteil jugendlicher BesucherInnen soll künftig durch gezielte Maßnahmen – Zusammenarbeit mit Schulen, Ermäßigungen für Studierende, etc. – erhalten und weiter ausgebaut werden – eine Investition in die Zukunft des Festivals.

Dass die Direktorin sich persönlich um eine Neugestaltung der Viennale-Tasche gekümmert hat, ist eher eine Randnotiz für jene, die der Filme wegen zum Festival kommen. Wesentlicher ist da schon die Neuausrichtung der „graphischen Abteilung“. Das diesjährige Festivalplakat zeigt einen kopflosen Flamingo in knalligem Rosa – ein „eyecatcher“, zweifellos. Ein Plakat soll Aufmerksamkeit (für das zu Zeigende) erregen, diese Vorbedingung erfüllt das aktuelle Sujet mit Bravour. Zwar war der eigenwillige Stil von Hans Hurchs langjährigem Chefgraphiker Rainer Dempf nicht jedermanns Sache, doch zeugten dessen Plakate von Gestaltungswillen und waren unverkennbar in ihrer Art. Worauf ich hinaus will: ein Plakat wie jenes der Viennale 2018 erfüllt zweifellos seinen Zweck, wenn es dessen alleinige Absicht (und Vorgabe) ist, als „optischer Verstärker“ für das Festival zu wirken.

Die Gestaltung des Festivalplakats ist allerdings keine Nebensache, denn so wie es unbestrittenerweise einer Programmphilosophie für ein Festival wie die Viennale bedarf, benötigt dieses auch eine „graphische Philosophie“, welche, so subtil wie möglich und so eindringlich wie nötig einen „Wiedererkennungswert“ sichert.

Vom diesjährigen Plakat ausgehend, ist eine solche „Serie“ kaum vorstellbar, es deutet mehr auf einen „Einmaleffekt“ hin.

Jedenfalls handelt es sich hierbei nicht um eine Formsache, sondern um eine Frage der Form, die Chefsache sein sollte.

Soweit fürs Erste. Weiteres zur Viennale 2018, wenn die Viennale-Kinos öffnen.