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Helmut Stockenhuber 1955 – 2008

Unser Freund und Genosse Helmut Stockenhuber starb am 15. Oktober 2008 bei einem Verkehrsunfall in Wien. Helmut war mit dem Fahrrad unterwegs – das Verkehrsmittel, das für ihn eine Selbstverständlichkeit darstellte – und „wurde von einem LKW erfasst, als er gerade die Spur wechseln wollte“...

22.10.2008


 
Unser Freund und Genosse Helmut Stockenhuber starb am 15. Oktober bei einem Verkehrsunfall in Wien. Helmut war mit dem Fahrrad unterwegs – das Verkehrsmittel, das für ihn eine Selbstverständlichkeit darstellte – und „wurde von einem LKW erfasst, als er gerade die Spur wechseln wollte“, wie die Zeitungen den Unfallhergang beschrieben.

Für uns war Helmuts hervorstechende Eigenschaft eine Kombination aus Genügsamkeit – materialisiert in seiner kleinen Wohnung in der Schiffamtsgasse, die er all die Jahrzehnte bewohnt hat – und einer Ruhe und Gelassenheit, die sein Auftreten stets geprägt hat.

Helmut wurde in Oberösterreich geboren und lebte dort auch in seiner Kindheit und Jugend. Er studierte in Wien Physik und fand sich bald in der Basisgruppe „Roter Vektor“. Er war seit den späten Siebzigerjahren auch Mitglied der GRM/SOAL (öst. Sektion der 4. Internationale), wo er sich vor allem in der Anti-AKW-Bewegung engagierte, und noch im letzten Frühjahr nahm er leidenschaftlich in der Diskussion Stellung, ob sich die SOAL am „Linksprojekt“ beteiligen solle oder nicht.

Er war nicht nur politisch, sondern sehr früh auch umweltpolitisch bewusst. Wichtig war ihm, modern ausgedrückt, „umweltpolitisch korrekt“ zu leben – schon in den siebziger
Jahren. „Er hat mir bereits damals auseinandergesetzt, welche Belastung Geschirrspülmittel für die Abwässer darstellen, und dass er seine Teller auch ohne solche Chemikalien sauber bekommt“, berichtet ein Freund und politischer Weggefährte nach Helmuts Tod. Von der ersten Stunde an war er auch an der Aktion „Radfahren am Freitag“ (RAF) beteiligt. Er wurde auch nicht müde, für ökologisch korrektes Verhalten zu argumentieren, nicht nur in der SOAL; Helmut versuchte auch im spontanen Gespräch mit AutofahrerInnen Überzeugungsarbeit zu leisten.

Er ist fast immer gut gelaunt in Erscheinung getreten, hat mit seinen Gewohnheiten beinahe schon als „Original“ gegolten: Er war immer mit dem Fahrrad unterwegs - tragisch, dass ihm gerade das zum Verhängnis werden sollte!
Falls er zuhause ungestört sein wollte, hat er das Telefon einfach in den Kühlschrank gestellt –  und auf Anfrage gerne mit physikalischem Hintergrund erklärt, dass das dem Apparat in keinster Weise schadet.
Einladungen zu politischen Treffen hat er meist mit der Aussage „ich komme zu 50%“ quittiert, was ihm damals in Nawi-Kreisen den Scherz eingetragen hat, sich als quasi durchsichtiger halb-materieller Schemen anzukündigen.

Politisch – „trotzkistisch“ –  sattelfest, hat sich Helmut in seiner frühen Studentenzeit an der „Überzeugungsarbeit“ an den Uni-Instituten der Nawi-Fakultät beteiligt - so war er auch „zu 50%“ an der Basisgruppe „Roter Vektor“ beteiligt, hat es aber trotz aller aufwallenden inhaltlichen Differenzen wie nur wenige andere geschafft, immer freundlich zu beiben, fast schelmisch zu wirken und dabei seelenruhig seine Zigaretten zu wuzeln. Auf dem Gebiet des Argumentierens war er unendlich geduldig. Genauso haben wir Helmut auch aus zahllosen Diskussionen und Gesprächen in der SOAL in Erinnerung.

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