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Johann Schögler (1951-2016)

Hermann Dworczak

Johann Schögler, Aktivist des Sozialforums, Graz, starb am 29. Oktober 2016 an den Spätfolgen einer Tränengasgranate der französischen Polizei, die ihn bei einer Demonstration getroffen und schwer verletzt hat.

16.11.2016

Johann Schögler, Aktivist des Sozialforums, Graz, starb am 29. Oktober 2016 an den Spätfolgen einer Tränengasgranate der französischen Polizei, die ihn bei einer Demonstration getroffen und schwer verletzt hat.

Johann war Marxist - aber einer der undogmatischen, kritischen Sorte. Gesellschaftliche Veränderungen konnte er sich nur vorstellen, wenn Viele Hand anlegen.

Dort wo Widersprüche aufbrachen, wo Menschen selbst aktiv wurden, dort war Johann politisch zu hause, dort engagierte er sich und wollte mit seinem – enormen - Wissen weitertreibend wirken.

Dieses Engagement hatte eine riesige Spannweite: es reichte von Intiativen im  gewerkschaftlichen Bereich- etwa das "Komitee für einen kämpferischen und demokratischen ÖGB" über ökologische Mobilisierungen (Zwentendorf, Hainburg) bis hin zu dem Versuch auch in Österreich eine pluralistische, kantige Alternative links von Sozialdemokratie und Grünen aufzubauen - dem "Linke"-Projekt.
 Ein besonderes Anliegen war Johann die internationale Sozialforumsbewegung - also der Zusammenschluß von sozialen Bewegungen. Er wirkte hier auf allen drei Ebenen - global, kontinental und auf Landesebene:

- er nahm aktiv an den Weltsozialforen in Senegal und Tunesien teil

- ebenso an den Europäischen Sozialforen. In Malmö teilten wir sogar das Zimmer.

- Zwei österreichische Sozialforen fanden in der Steiermark statt, in Graz und Leoben. 

Ohne die geringste Übertreibung läßt sich sagen, dass beide Foren ohne ihn schlicht unmöglich gewesen wären. Er plante umfassend, selbst kleinste Details - wie Versicherungsfragen - ließ er nicht aus.

Auf dem Weltsozialforum in Montreal im August mit seinen 35 000 TeilnehmerInnen und einem Eröffnungsmarsch mit 20 000 Personen hatte ich die allerletzte Gelegenheit ihn zu treffen.
Johann hinterläßt eine riesige Lücke und es wird unendlich schwer sein, sie zu schließen. Aber ich denke, es wäre nicht in seinem Sinne, aufzustecken und in Resignation zu verfallen. 

Arbeiten wir vielmehr auf seinen Spuren weiter- undogmatisch, selbstkritisch: Eine andere Welt Welt ist möglich und notwendig.